Erinnerungskultur in Varel und Friesland – Gedenken, Mahnmale und Verantwortung

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nie abgeschlossen

Erinnern ist kein Zustand. Es ist Bewegung – zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es fragt nach Verantwortung, nach Gerechtigkeit, nach Teilhabe. Erinnerung bleibt lebendig, wenn wir sie gemeinsam gestalten.

Als Ratsfrau in Varel und Kreistagsabgeordnete im Landkreis Friesland ist Erinnerungskultur ein zentrales Anliegen. Sie umfasst nicht nur die Pflege von Gedenkorten, Mahnmalen, Denkmälern und Stolpersteinen, sondern ist ein aktiver Prozess, der historische Verantwortung mit der Reflexion auf die heutige Gesellschaft verbindet. Historische Ereignisse werden kritisch betrachtet, und marginalisierte Perspektiven – wie die von Sintizze und Romnja, Jüdinnen und Juden, People of Color oder politisch Verfolgten – werden sichtbar gemacht. Auseinandersetzung offenhalten.

Erinnern heißt: hinschauen

Nicht wegsehen, wo Unrecht geschah. Nicht schweigen, wo Unrecht fortwirkt. Erinnern heißt, die Namen zu kennen, die Geschichten zu hören, das Schweigen zu brechen.

In Friesland lassen sich die Spuren der Geschichte an konkreten Orten erfahren: Stolpersteine in Dangast, Gedenktafeln in Jever oder der jüdische Friedhof in Varel machen sie sichtbar. Erinnerungskultur bedeutet, bisher wenig beachtete Perspektiven einzubeziehen und die Vergangenheit kritisch zu reflektieren. Dazu gehören auch Themen wie Antisemitismus, Antiziganismus und weitere Diskriminierungsformen, deren historische Auswirkungen bis heute spürbar sind.

Erinnerung hat viele Gesichter

Jüdische Menschen. Menschen aus der Sinti- und Roma-Community. People of Color. Zeugen Jehovas. Queere Menschen. Menschen mit Behinderung. Politisch Verfolgte. Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Kriegsgefangene und Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten. Jede Geschichte zählt. Jede Stimme verdient Gehör.

Die vielfältigen Geschichten der Vergangenheit zu hören und sichtbar zu machen, ist Grundlage einer inklusiven Erinnerungskultur. In Schulen, Initiativen und Kulturprojekten werden Zeitzeugenberichte, Kunstprojekte und Diskussionsformate einbezogen, um junge Menschen zu motivieren, die Geschichte kritisch mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Erinnerung braucht Klarheit

Antisemitismus verzerrt Geschichte. Antiziganismus verdrängt Erfahrung. Kolonialrassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und Sexismus – auch sie prägen Ausgrenzung bis heute. Wer inklusiv erinnert, nennt Unrecht beim Namen und erkennt: Jede Form von Diskriminierung verletzt die Würde des Menschen. Erinnern heißt, das Unsagbare auszusprechen.

Als Kommunalpolitiker:innen tragen wir die Verantwortung, den Rahmen für sichtbares Erinnern in Varel und Friesland zu setzen. Dazu gehört:

  • Pflege und Initiierung von Gedenkorten, Mahnmalen und Denkmälern,

  • Förderung von Bildungsprojekten und Diskussionsformaten,

  • Gestaltung des öffentlichen Raums, z. B. Straßennamen oder Ehrungen als Mahnmale,

  • Thematisierung von historischen Leerstellen, z. B. die Verfolgung von Sintizze und Romnja, Zwangsarbeit oder politische Verfolgung.

Unser Ziel ist es, die Vergangenheit so zu reflektieren, dass sie heutige gesellschaftliche Herausforderungen wie Rassismus, Antisemitismus oder Antiziganismus aufzeigt und Teilhabe, demokratisches Bewusstsein und Pluralität stärkt.

Grüne Positionierung zur Erinnerungskultur in Varel und Friesland

Für Bündnis 90/Die Grünen ist Erinnerungskultur mehr als Rückblick auf die Vergangenheit: Sie ist ein aktives, demokratisches Handlungsfeld, das Sichtbarkeit, Inklusion und Reflexion auf die Gegenwart verbindet. Auf Bundesebene fordern die Grünen:

  • Förderung von Gedenkstätten, Mahnmalen und Bildungsprojekten,

  • Anerkennung bislang marginalisierter Opfergruppen, z. B. durch Antisemitismus, Antiziganismus, SED-Unrecht oder Kolonialverbrechen,

  • Verknüpfung von historischer Aufarbeitung mit kritischer Reflexion gesellschaftlicher Verantwortung heute.

Auch auf Landesebene setzen sich die Grünen für dauerhafte Finanzierung und Schutz von Gedenkstätten ein, kritisieren Sparmaßnahmen, unterstützen historische Bildungsarbeit in Schulen und Initiativen und bekämpfen Geschichtsrevisionismus. Erinnerungskultur soll plural gestaltet sein, die vielfältigen Geschichten sichtbar machen und Debatten über Verantwortung ermöglichen.

Für mich als Ratsfrau in Varel und Kreistagsabgeordnete im Landkreis Friesland heißt das: Wir können Gedenkorte gestalten, Bildungsprojekte unterstützen und die Geschichte vor Ort sichtbar machen – sowohl durch Denkmäler und Mahnmale als auch durch kritische Reflexion im öffentlichen Raum. Erinnerungskultur ist damit eine Verantwortung, die wir aktiv mitgestalten, um eine inklusive und demokratische Gesellschaft zu stärken.

Erinnerung ist kein Blick zurück

Sie ist eine Haltung im Heute. Wie wirken Rassismus, Hass und Ausgrenzung fort? Wie zeigen sich Diskriminierung und Ungleichheit in Sprache, Bildung, Politik und Kunst? Die Geschichte ist nicht vorbei. Sie lebt in dem, was wir sehen, sagen und tun.

Erinnerungskultur ist ein integraler Bestandteil kommunaler Demokratiearbeit. Sie schützt vor Rechtsextremismus, stärkt den sozialen Zusammenhalt und eröffnet Handlungsspielräume für aktive Gestaltung in Varel und Friesland.

Erinnern heißt: Teilhaben

Gemeinsam erzählen. Gemeinsam trauern. Gemeinsam Verantwortung tragen. Eine inklusive Erinnerungskultur – die die Geschichten vieler Menschen verbindet – entsteht dort, wo viele Perspektiven zusammenkommen und niemand ausgeschlossen bleibt.

Aus grüner Perspektive bedeutet Erinnerungskultur, kritisch, inklusiv und nachhaltig zu gestalten. Projekte verbinden Bildung, Reflexion und Engagement, fördern Dialog und Beteiligung und machen die Vergangenheit sichtbar und relevant für die Gegenwart.

Für eine inklusive Erinnerungskultur

Weil Geschichte uns alle betrifft. Weil Erinnerung nur gemeinsam möglich ist. Erinnern heißt, die Vergangenheit zu kennen und die Zukunft offener zu gestalten. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nie abgeschlossen. Aber sie kann immer wieder neu beginnen – mit uns.

Erinnerungskultur in Varel und Friesland lebt von aktiver Beteiligung, pluralen Perspektiven und lokaler Umsetzung. Sie verbindet sachliche Reflexion, politische Verantwortung und emotionale Erfahrung – Grundlage für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft.

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