Roberts Bye-bye zu Facebook & Twitter

Fakes waren gestern, Deepfakes heute – und was gibt es morgen? Der Ausstieg von Robert Habeck aus Facebook & Twitter ist in allen Medien präsent. Für viele ein Anlass, eine heftige und teils unsachliche Diskussion zu führen. Für mich ist es ein Impuls, meinen eigenen Umgang mit der Social Media Welt zu betrachten. Ich recheriere hierfür bei FB & Co. Neben vielen lesenswerten Beträge finde ich auch negative Beispiele. Kurzum: Wir haten, dissen und beschimpfen uns in den Sozialen Medien. Mein Resümee: Das ist krank!

Oder macht es nur einige von uns krank?

Bei der weiteren Suche finde ich u.a. auch  die Kampagne der DRK, die sich genau dieses Themas annimmt.

 

Kann ich Fake News tatsächlich immer erkennen?

Nein. Ich jedenfalls nicht. Und schon gar nicht auf den ersten Blick. Fake News sind bewusst falsch dargestellte Nachrichten. Manchmal  handelt es sich auch irrtümlich als Fakt dargestellte Neuigkeiten. Unter dem Strich haben sie aber die Absicht, Menschen für bestimmte Ziele zu manipulieren. Daher ähnelt der Aufbau und die inhaltliche Gestaltung seriösen journalistischen Texten enorm. Uns bleibt somit nichts anderes übrig, als mit einer gesunden Skepsis den Texten in den Sozialen Medien zu begegnen. Daher sollten wir Inhalte und Urheber hinterfragen und uns möglichst auf zuverlässige Informationsquellen konzentrieren. Leichter gesagt als getan – bei dem heutigen Informations-Overflow.

 

Sollte ich Panik haben, weil Technologieexperten bereits vor den vier Reitern der Infokalypse warnen? 

Nein. Angst ist immer ein schlechter Berater. Panik ist nicht angebracht. Damit Fake News und Social Bots nicht zur Gefahr für unsere Demokratie werden, müssen wir einen reflektierten Umgang mit den Medien erlernen. Spätestens jetzt sollten wir lernen, uns in der Fülle der Informationen zurechtzufinden, um Wichtiges von Unwichtigem sowie  seriöse von unseriösen Quellen unterscheiden zu können. Wir sollten wissen, wie Nachrichten gemacht und verbreitet werden.

 

Sich im digitalen Raum grundsätzlich mündig verhalten

Im Grunde brauchen wir digitale Mündigkeit. Welchen Beiträgen ich glauben kann, wann und wie ich manipuliert werde – alles Unsicherheiten, die mich sicherlich auch zukünftigt begleiten. Wie bei vielen Dingen liegen Chancen und Risiken in unserem derzeitigen Konsum von Informationen sehr dicht beieinander. Mündig sein bedeutet, Verantwortung für das eigene Leben zu tragen. Digitale Mündigkeit bedeutet somit, Verantwortung für das eigene digitale Handeln selbst zu tragen – eben auch in den Soziale Medien.

 

Was sind eigentlich Deepfakes

Unter Deepfakes kann die Manipulation von Bildern und Videos mittels künstlicher Intelligenz verstanden werden. Heute ist es technisch möglich, falsche, aber echt wirkende Bilder oder Videos automatisiert mit Hilfe von Deep-Learning-Algorithmen zu erzeugen. Ein Algorithmus berechnet bei dieser App mithilfe eines künstlichen neuronalen Netzes (das, wie das menschliche Gehirn, selbstlernend arbeitet), eines leistungsfähigen Grafikprozessors sowie eines großen Festplattenspeichers ein Fake-Video.

 

Aufgrund dieses technischen Tools stellte 2017 ein User mit dem Pseudonym „Deepfakes“  mehrere Pornovideos ins Internet. Schauspielerinnen wie Emma Watson, Katy Perry, oder Scarlett Johansson wurden unfreiwillig Darstellerinnen in diesen Videos.  Damals konnten diese Fake Videos sehr schnell als Fälschung entlarvt werden.

 

Solche Apps wurden und werden weiterentwickelt. Ergebnis dieser Entwicklung: Es wird für uns zunehmend schwieriger, gefälschte von echten Inhalten zu unterscheiden. Anfang 2018 kam dann eine FakeApp auf den Markt, mit der jeder Nutzer leicht in Videos Gesichter austauschen kann. Infolgedessen wird eine neue mediale Lebenswirklichkeit geschaffen. Es ist möglich, Personen in Videos per Mausklick auszutauschen. Diese App kann für uns zur lustigen Unterhaltung dienen oder Menschen demütigen. Der Anwender entscheidet.

 

Wird meine Sprache, meine Ausdrucksweise durch Soziale Medien verändert?

Unsere Sprache ist wie ein Chamäleon – sie ist anpassungsfähig und reagiert auf unser sprachliches Umfeld. Oftmals von uns unbemerkt, übernehmen wir verwendeten Ausdrucksweisen der Medien in denen wir uns bewegen. Sind wir viel in einem schnellen Medium unterwegs, in dem Hass, Agressivität und Hetze Normalität ist, kann dies auf uns abfärben. Insbesondere die Schnelligkeit von Facebook & Twitter verleitet uns leicht zu unreflektierten Äußerungen. Raum zum Nachdenken nehmen wir uns immer seltener. Und das ist die große Gefahr für uns, unsere Kommunikation und in politischen Prozessen auch für unsere Demokratie.

 

Achtsamkeit gefragt

Schon Nietzsche hatte die Erkenntnis:

die Größe eines „Fortschritts“ bemisst sich nach der Masse dessen, was ihm alles geopfert werden musste.

Leider können wir den Missbrauch von technischen Innovationen nicht verhindern. So führt technischer Fortschritt in den Händen von skrupellosen Menschen zu einem gesellschaftlichen Rückschritt. Welche menschliche Abgründe der technische Fortschritt uns morgen ermöglicht, kann uns leider mit Gewissheit heute keiner aufzeigen. Jeder von uns sollte daher selbst auf sich und seinen eigenen Umgang mit den Sozialen Medien sowie den damit verbundenen Innovationen achten.

 

Im politischen Kontext muss man bei Facebook & Co aktiv sein

Nein. Keiner zwingt uns ein bestimmtes Medium zu nutzen. Uns stehen eine Vielfalt von politische Kommunikationsmitteln zur Verfügung. Diese werden jedoch von uns vielfach einfältig genutzt. Wenn wir also feststellen, das unser Gedankengut und unsere Sprache sich durch unseren Medienkonsum negativ verändert, müssen wir handeln. Haltung zeigen. Unsere persönliche Freiheit nutzen. Verantwortung für unser Tun übernehmen. Selbst entscheiden. Oder auch den Mut von Robert Habeck haben und sagen

Bye bye, Facebook & Twitter

 

Pressefoto/Titel-Foto: © Dominik Butzmann

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